Lagebericht aus der Bless School von Senthil

Liebe Freunde,  

 

Liebevolle Grüße aus Indien und von den Blesskids! 

Seitdem Ausbruch von Covid-19 im März 2020 ist das gesamte Schulsystem Indiens auf Eis gelegt. Einige Schulen in größeren Städten wagen erste Versuche, Online-Klassen einzuführen, was ein komplett neues System für indische Schüler und Schülerinnen ist. 

 

 

Die Situation in der BLESS School

Auch die Bless School in Inungur ist davon betroffen - die indische Regierung hat die komplette Schließung aller Schulen auferlegt. Die SchülerInnen bleiben zuhause und haben keine Möglichkeiten, an Online-Klassen teilzunehmen, da die meisten SchülerInnen aus armen Familien kommen und keinen Internetanschluss haben oder ein Smartphone besitzen. Auch die meisten Eltern sind untergebildet und wären gar nicht in der Lage, ihre Kinder bei Online-Klassen zu unterstützen. 

Daraus folgt, dass auch die Lehrerinnen zu Hause bleiben müssen. Einige nicht-lehrende Mitarbeiter der Schule erhalten das Gebäude, die Klassenräume und den Garten und zwei bis drei Lehrerinnen leiten die übrigen Mitarbeiter bei der Arbeit ein. 

Aufgrund der besorgniserregenden Situation hatten wir vor kurzem eine Teamsitzung, in welcher wir entschieden haben, die SchülerInnen zu Hause zu besuchen. Hierbei können wir sie mit Lehrbüchern und Lehrmateralien versorgen, sodass sie ihren Lernprozess weiterführen können, anstatt untätig zu sein. Die Lehrerinnen, die vor Ort leben, versuchen die SchülerInnen dabei zu unterstützen - unter den Rahmenbedingungen der Virus-Kontrollregulierungen. Somit können wir mit den SchülerInnen in Verbindung bleiben und ihren Lernprozess weiterverfolgen.

 

Auswirkungen des Virus in der Schule und Tamil Nadu

Momentan gibt es kaum Corona-Fälle in unserer Ort- und Nachbarschaft. Glücklicherweise sind auch keine der SchülerInnen und Eltern, Mitarbeiter und deren Familien betroffen. 

Der Lockdown wird immer noch durchgesetzt, mit Restriktionen, aber auch erste Lockerungen. Bewegungen zwischen 21:00 und 6:00 morgens sind nicht erlaubt. Kleine Läden dürfen öffnen, aber der Nahverkehr zu benachbarten Gebieten ist stillgelegt. Alle Züge sind gestrichen. Einige lokale Flüge dürfen verkehren. Innerhalb des Landkreises dürfen Fahrzeuge betrieben werden, aber die, die in einen anderen Distrikt wollen, müssen sich einen E-Pass mit triftigem Aus-und Einreisegrund und Nachweis. Natürlich gilt auch hier die Maskenpflicht und Abstandsregelung (welche jedoch in Indien kaum befolgt wird, und die Implementierung dieser Regeln gestaltet sich als höchst schwierig in einem überbevölkerten Land, wo die Bürger auch gerne Regeln brechen, statt ihnen zu folgen). Diejenigen jedoch, die die Ausbreitung des Virus ernstnehmen, befolgen die Regelungen der Regierung. 

In unserem Distrikt (Karur) wurden ca. 200 Infektionen gemeldet, mit 4 Toten und 150 Genesenen. Im Nachbardistrikt Trichy sind es 1300 Infektionen, 900 davon wieder genesen, 10 Tote. Im ganzen Staat Tamil Nadu, der zweitstärkste betroffene Staat in Indien, sind es 130.000 Infektionen mit 2000 Toten und 85.000, die bereits wieder genesen sind. Im gesamten Land sind 800.000 Menschen infiziert, 500.000 davon aber wieder genesen, 22.000 Tote. 

Chennai, die Hauptstadt von Tamil Nadu, ist am schwersten betroffen, mit ca. 70 % an Infektionen und Toten im Staat. Da viele Bewohner aus Chennai nun zu ihren Familien nach Hause fahren, bringen sie die Infektionen weiter ins Innere des Landes, während sich die Situation in Chennai langsam bessert. 

Die Bewegung von Menschen aus großen Städten und die Nicht-Einhaltung der Abstandsregelungen ist eines der Hauptprobleme. Als Ergebnis sind nun viele ländliche Gegenden der Ausbreitung des Corona-Virus ausgeliefert. Wir müssen also abwarten, wie sich die Situation entwickelt. 

 

Soziale und ökonomische Auswirkungen für die Bevölkerung

Selbstverständlich ist das Alltagsleben der Menschen hier durch den Lockdown stillgelegt. Eine sehr knappe Summe von 1000 Rupies (11€) wurde den Menschen gegeben. Zumindest bekommen die ärmsten Menschen kostenfreie Nahrung (Reis, Dhal, Öl) und demzufolge gibt es wenigstens keine Hungertote in unserer Region. Aber auch alle landwirtschaftlichen Aktivitäten sind behindert durch den Lockdown. Die ländliche Bevölkerung lebt also von der Hand in den Mund. 

Die Regierung unterstützt einige Bauern mit 6000 Rupies = 67€ (1500 Rupies = 17€ für Frauen) pro Jahr. Auch einige Gaszylinder zum Kochen wurden verteilt. Die Regierung hat außerdem Rentenbeiträge für Privatarbeitgeber erlassen, sodass sie mehr von zu Hause arbeiten können und ihre Angestellten besser entlasten können. 

Die am stärksten betroffenen Bereiche sind die privaten Arbeitgeber und die Tagelöhner, Arbeiter, die keine permanente Arbeit haben. 

 

Monatliche Gehälter für die Lehrerinnen und MitarbeiterInnen

Viele private Schulen können ihre Lehrerinnen und MiterabeiterInnen nicht bezahlen, da die Regierung nicht erlaubt, irgendwelche Gebühren von den Eltern einzuholen. Nur die Schulen, die Online-Klassen durchführen, dürfen Gebühren einholen. 

In der Bless Schule konnten die LehrerInnen und MitarbeiterInnen regulär bis Juni 2020 bezahlt werden und glücklicherweise haben wir noch eine Reserve für Juli 2020 - dank der großzügigen Spenden von Deutschland und dem Bede Griffiths Charitable Trust (BGCT). Trotzdem waren wir nicht in der Lage, irgendwelche Gebühren von den Eltern einzusammeln - sie sind auch nicht mal in der Position, diese zu begleichen für das diesjährige akademische Jahr, welches gerade erst beginnt. Daher konnten die Gehälter der Lehrerinnen und MitarbeiterInnen nur durch Spenden finanziert werden. 

 

Ehrenamtliches Engagement für betroffene Familien während des Lockdowns

Im Mai, zu Beginn des Lockdowns konnten wir viele Lockdown- Betroffene Familien unterstützen durch die großzügigen Spenden, vor allem von Mary Pruss und ihrem Sohn Michael Pruss (93.000 Rupies = 1.000 €). Damit konnten wir 13 Familien mit Nahrung versorgen (33.000 Rupies) und 11 Familien bei ihren essenziellen Ausgaben. Vielen, vielen Dank an die Sponsoren!

 

Aktuelle Bedürfnisse und Notwendigkeiten

Da die Situation von Covid-19 das normale Funktionieren von Schulen unterlaufen hat und Lehrer die SchülerInnen zu Hause besuchen, wissen wir noch nicht ob die Regierung diese Initative unterstützen oder einschränken wird. 

Um die LehrerInnen vor Infektionen zu schützen, könnten wir Fieberthermometer gebrauchen, um SchülerInnen, Lehrer und Eltern auf Coronaverdacht zu prüfen - so wie Desinfektionsmittel und wiederverwendbare Gesichtsmasken. 

 

Wir halten euch auf dem Laufenden mit weiteren informationen mit der Situation hier in Indien und unserer aktuellen Arbeit!

 

In Hoffnung auf die beste Zukunft für die gesamte Menschheit

 

Senthil Kumar , Director